EMDR verständlich erklärt: Was hinter der Methode steckt
Viele Menschen haben schon von EMDR gehört, wissen aber nicht genau, was sich dahinter verbirgt. Vielleicht ist Ihnen der Begriff im Zusammenhang mit einer Traumatherapie begegnet oder Sie kennen jemanden, der von dieser Behandlung erzählt hat.
Dabei entstehen häufig Fragen: Was passiert bei EMDR? Wie läuft eine Sitzung ab? Und muss man belastende Erlebnisse noch einmal vollständig durchleben?
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die Methode und den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Er ersetzt keine individuelle psychotherapeutische oder ärztliche Beratung.
Was bedeutet EMDR?
EMDR steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, auf Deutsch etwa „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen“.
Die Methode wurde Ende der 1980er-Jahre zur Behandlung psychischer Folgen belastender oder traumatischer Erfahrungen entwickelt. Heute wird EMDR von entsprechend qualifizierten Fachpersonen im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen eingesetzt.
Ob EMDR im Einzelfall geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab und sollte im Rahmen einer fachlichen Diagnostik beurteilt werden.
Wie funktioniert EMDR?
Nach einem wissenschaftlichen Erklärungsmodell können belastende Erfahrungen unter bestimmten Umständen unvollständig verarbeitet werden. Sie können dann auch später noch mit belastenden Erinnerungen oder Stressreaktionen verbunden sein.
Bei einer EMDR-Behandlung richtet die betroffene Person ihre Aufmerksamkeit für kurze Zeit auf eine belastende Erinnerung. Gleichzeitig werden sogenannte bilaterale Reize eingesetzt. Dies geschieht häufig durch geführte Augenbewegungen, teilweise auch durch abwechselnde Töne oder leichte Berührungen.
Ziel der Methode ist es, die Verarbeitung belastender Erinnerungen im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterstützen. Wie Menschen darauf reagieren, ist individuell unterschiedlich.
Warum spielen Augenbewegungen eine Rolle?
Wie bilaterale Reize genau wirken, wird weiterhin wissenschaftlich untersucht. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nicht abschließend geklärt.
Während einer EMDR-Behandlung bleibt die behandelte Person wach, ansprechbar und kann den Ablauf jederzeit mitgestalten oder unterbrechen.
Für wen kann EMDR infrage kommen?
EMDR wird insbesondere zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) eingesetzt.
Darüber hinaus kann die Methode – abhängig von der individuellen Situation und der fachlichen Einschätzung – auch Bestandteil einer Behandlung bei anderen psychischen Belastungen sein. Die wissenschaftliche Evidenz ist je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich.
Ob EMDR geeignet ist, sollte immer individuell entschieden werden.
Muss man dabei alles noch einmal erzählen?
Nicht unbedingt. Im Rahmen einer EMDR-Behandlung wird über belastende Erfahrungen gesprochen. Es ist jedoch in der Regel nicht erforderlich, jedes Detail ausführlich zu schildern.
Wie eine Behandlung im Einzelnen abläuft, richtet sich nach der individuellen Situation und dem therapeutischen Vorgehen.
Wie fühlt sich eine EMDR-Sitzung an?
Das Erleben einer EMDR-Behandlung ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Manche Menschen berichten während oder nach einer Sitzung von Gedanken, Erinnerungen oder Gefühlen. Andere nehmen vor allem körperliche Veränderungen wahr oder bemerken Veränderungen erst im Alltag.
Wie eine Person eine Behandlung erlebt, lässt sich nicht vorhersagen.
Wie viele Sitzungen sind notwendig?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten.
Die Dauer einer Behandlung hängt unter anderem von der Art der Beschwerden, der persönlichen Vorgeschichte und den Behandlungszielen ab. Deshalb unterscheidet sich die Anzahl der erforderlichen Sitzungen von Person zu Person.
Ist EMDR wissenschaftlich anerkannt?
EMDR gehört zu den wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Für weitere Anwendungsgebiete wird die Methode wissenschaftlich untersucht. Die Aussagekraft der bisherigen Studien unterscheidet sich dabei je nach Beschwerdebild.
Gibt es Risiken oder mögliche Belastungen?
Wie andere psychotherapeutische Verfahren kann auch EMDR vorübergehend belastende Gefühle oder Erinnerungen auslösen.
Deshalb sollte die Methode ausschließlich von entsprechend qualifizierten Fachpersonen durchgeführt werden. Im Rahmen einer Behandlung werden mögliche Reaktionen besprochen und therapeutisch begleitet.
Kann EMDR auch online durchgeführt werden?
Ob eine psychotherapeutische Behandlung im Rahmen einer Videosprechstunde möglich ist, richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben sowie den allgemein anerkannten fachlichen Standards.
Ob dies im Einzelfall infrage kommt, kann nur nach einer individuellen fachlichen Beurteilung entschieden werden.
Worin unterscheidet sich EMDR von einer Gesprächstherapie?
In vielen psychotherapeutischen Verfahren steht das gemeinsame Gespräch über belastende Erfahrungen im Mittelpunkt.
EMDR ergänzt diesen Ansatz um ein strukturiertes Verfahren zur Bearbeitung belastender Erinnerungen. Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, hängt von der individuellen Situation und der fachlichen Einschätzung ab.
Kann EMDR helfen?
Für die Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) liegen wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit von EMDR vor.
Für andere Anwendungsgebiete wird die Methode weiterhin untersucht. Ob eine Behandlung im Einzelfall hilfreich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich nicht allgemein vorhersagen.
Fazit
EMDR ist ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung. Darüber hinaus wird die Methode auch für weitere Anwendungsgebiete wissenschaftlich untersucht.
Ob EMDR für eine bestimmte Person geeignet ist, sollte im Rahmen einer qualifizierten psychotherapeutischen oder ärztlichen Diagnostik und Beratung individuell geklärt werden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung.
